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Das VAJRA -

oder: »VOM DONNERKEIL ZUM DIAMANTZEPTER«

(In der tibetischen Sprache wird das «j» wie «dsch» ausgesprochen.)

Der Vajra gehörte zusammen mit einer Ghanta (Glocke) zu den Hauptkulturgeräten der Lamas und wird bei allen Zeremonien, insbesondere bei Initationen eingesetzt. Ursprünglich handelte es sich bei dem Vajra um das Attribut des vedischen Gewittergottes Indra (Pali-Texte), zu vergleichen mit dem Gott Zeus, und wurde als Donnerkeil verstanden. Der Buddhismus hat in der Beziehung der Darstellung und der Kunstentwicklung sehr häufig von alten, schon vorhandenen Gegenständen Gebrauch gemacht.

Verglichen mit den anderen Religionen war er eine recht junge Glaubensrichtung. Der Buddhismus entstand in Indien unter anderem vor dem religiösen Hintergrund des Brahmanismus, einem frühen Stadium des Hinduismus. Die Symbolwelt, gegen die sich die Shanga  - eine der drei Juwelen des Buddhismus: Buddha, Dharma (die Lehre) und Sangha (die Gemeinschaft) - durchsetzen mußte war eine sehr farbenprächtige und vielseitige.

Die zum Buddhismus übergetretenen Landesfürsten und Laienanhänger hatten demnach ein großes Interesse an der Symbiose von Kunst und Religion. So nahm der Buddhismus viele Gegenstände und Kunstrichtungen auf. Es setzte somit eine vollkommene Neuwertung aller bestehenden religiösen Ideen ein, indem die Vorstellungen der alten Zeit nicht verworfen, sondern durch eine bloße Verschiebung des geistigen Schwerpunktes in das neue Gedankengut eingegliedert wurden.

So geschah es also auch mit der Gestalt Indra, die nun als bloße Folie für den Buddha genutzt wurde. Aus seinem Donnerkeil wurde das Diamantzepter. Er stieg somit von der Körperlichkeit auf und bezog einen neue Bewußtseinsebene. Das Vajra wurde zu einem Inbegriff höchster geistiger Macht. Einer Macht, der nichts widerstehen kann, die selbst unangreifbar und unüberwindlich ist.

Diese Eigenschaften sind auf der materiellen Ebene dem Diamanten zu eigen. Ein Stein, der alle anderen Materialien zerschneiden kann, ohne selbst Schaden zu nehmen. Der sogar das Licht in seine Farben zertrennt. Dies alles macht den Diamanten so kostbar.

So entwickelte sich der Vajra zum Diamantzepter. Es ist das sichtbare Symbol dessen, der die höchste geistige Macht inne hat. In Lhasa und in anderen bedeutenden Städten des Buddhismus ziert der Vajra die Dächer der heiligen Stätten. An diesen wichtigen Kraftplätzen dient es als Sende- und Empfangsgerät guter Energien. Der Ort, an dem ein Vajra steht ist energetisch hochwertiger als die Umgebung und wird von Kraftlinien durchkreuzt.

In einer kleineren Ausführung wird das Vajra von tantrischen Priestern und von Heilern benutzt. Sie fühlen eine angenehme Energie, wenn sie den Vajra in der Hand halten. In der den Vajra umschließenden Hand werden vier energiestärkende Akkupunktur-Punkte berührt. Viele berichten von einer spontan einsetzenden wohltuenden energetischen Wirkung, wenn sie es in der Hand halten. In der Literatur zum Vajra wird davon gesprochen, «...daß, in der Hand gehalten, ein Vajra das eigene ICH stärkt.»

Im Heilungsprozess wird durch den Vajra heilende Energie auf die kranken Stellen des Patienten übertragen. Gleichzeitig schützt es den Heilenden vor den negativen, Krankheit bewirkenden Strahlen.

In einem Seminar über Wünschelruten wurde der Vajra als Entstörungsgerät getestet. Er schien dabei gegen Reize von Wasseradern zu wirken. Wird es in Fließrichtung des Wassers auf die Hauptreizzonen gelegt, nimmt es die aggressiven Wirkungen das Reizes auf. Von einer reihe von Entstörungsgeräten kennt man die Form der liegenden Acht. Diese auch im germanisch/keltischen Kulturkreis angewandte magische Form findet sich im Vajra in einer komplexeren, räumlicheren Weise wieder.
 

Der Aufbau des Vajras:


Als sichtbares Symbol nimmt das Vajra die Form eines Zepters, das Wahrzeichen höchster, souveräner Macht, an und darf somit korrekt als «diamantenes Zepter» bezeichnet werden. Es ist gleichzeitig ein Symbol der weltlichen Existenz.
Das Zentrum hat die Form einer Kugel. Es ist gleichzusetzen dem Keimtropfen (BIJÀ) des Universums, in seiner unentfalteten Gestalt als Bindu (Punkt, Einheit, Null) dargestellt. In bildlichen Darstellungen wird oft durch eine, von der Mitte ausgehenden Spirale, seine potentielle Kraft angedeutet.

Aus der undifferenzierten Einheit des Zentrums wachsen die zwei entgegengesetzten Pole der Entfaltung in Form von Lotusblüten. Sie symbolisieren als Zahl die Polarität alles bewußten Daseins. Erinnern so an die Schatten- und Lichtseiten aller Dinge. Hieraus entfaltet sich nun weiter die räumliche Welt, dagestellt durch die vier Weltrichtungen mit dem Berg «Meru» in der Mitte, (=Kailas/Gipfel im Süden des Transhimalaya, 6714 m.ü.d.M, Hinduismus = Sitz Sivas, im Buddhismus = riesiges Mandala von Dhyani-Buddhas) als die Weltachse.
Diese fünf Linien stehen für die fünf aktiven und reaktiven Bewußtseinsformen der menschlichen Persönlichkeit, die das Sein bestimmen. In ihrer Vereinigung, dem Zustand der Erleuchtung, laufen sie wieder zusammen und werden eins, werden wieder Ursprung.
Das heißt, daß die Kraftstrahlen wieder zu einer Einheit höherer Ordnung konvergieren und zu einem neuen, weiterentwickelten Keimtropfen zusammengefaßt werden. Eine Weiterentwicklung, ähnlich dem Weg das Tarotís, der mit dem Narr beginnt und in ihm auch sein Ende findet.

Der Weg des Vajras ist also kein anderer, als ein Spiralenweg. Ein plastisches und abstraktes, da nicht-figural, fünfspitziges Doppelmandala. Die Verdopplung hat keinen Einfluß auf die Zählung sondern ist nur eine Andeutung der Polarität, eine Bezeichnung des relativen Dualismus der Bewußtseins und Weltstruktur. Es ist gleichsam eine Postulierung der Einheit der inneren Gegensätze, ihrer inneren Zusammengehörigkeit.

Der Aufbau des Vajras zeigt also den Zusammenhang der Welt, ist ein Spiegel des Universums, damit aber auch ein Bild des Menschen, wird dieser selbst als mikrokosmisches Abbild des Universums verstanden. Der Berg Meru ist nichts anderes als die Wirbelsäule, das ZNS, welches zwischen den anderen Einheiten der Wahrnehmung vermittelt.

Wichtig ist hier, nicht den Verstand, das Vollbewußtsein als letzte Konsequenz zu sehen, sondern als ein Werkzeug, mit dem wir unsere Bewußtheit aufschließen. Im Japanischen bedeutet das Wort für verstehen (wakaru) eigentlich: «getrennt». Denn um etwas mit dem Verstand erfassen zu können, benötigen wir immer drei Ebenen:

1.) Die subjektive Wahrnehmung, mit der ich mich erkenne
2.)  Die objektive Wahrnehmung, mit dem ich das du erkenne.
3.)  Die Beziehung welche zwischen beidem wirkt und ein Verständnis erst ermöglicht.

Erkenntnis ist der Abstand zwischen dem Subjekt und dem Objekt.




 

Das Lebensrad -

Ein Buddhistisches Weltmodell für die weltlich Existenz


Die Ursprünge des Lebensrades als Symbol der buddhistischen Sicht weltlicher Existenz liegen in der Frühzeit des indischen Buddhismus. Mit seiner Hilfe können wir einen ersten Eindruck der buddhistischen Lehre erfahren. Wichtig ist hierbei nicht den Verstand als letzte Konsequenz zu sehen, sondern als ein Werkzeug, mit dem wir unsere Bewußtheit aufschließen um (uns) zu verstehen.

Im Japanischen bedeutet das Wort für VERSTEHEN (jap.: wakaru) eigentlich getrennt. Denn um etwas mit dem Verstand erfassen zu können, benötigen wir immer drei Ebenen:

1. Die subjektive Wahrnehmung, mit der ich mich erkenne.
2. Die objektive Wahrnehmung, mit dem ich das DU erkenne.
3. Die Beziehung welche zwischen beidem wirkt und ein Verständnis erst ermöglicht.

Erkenntnis ist der Abstand zwischen dem Subjekt und dem Objekt. Und selbst wenn ich mich in der eigenen Person verstandesmäßig begreifen will, muß ich mich spalten.

In der Kabbala heißt es dazu:

Ehejeh ascher Ehejeh.
Ich bin (Subjekt) der ich bin (Objekt).

Und  im Islam findet sich der Ausspruch:

Ich war ein verborgener Schatz
Und wollte erkannt werden;
also erschuf ich die Welt.

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